Mittwoch, 17. Juni 2015

fortschrittsbericht

war ins dunkel eingebrochen
meiner deiner unsrer nacht
zum träumen der und der
mit zweifel immer übervollen
wo gehen nur noch tasten war
und zufall finden überwand

hab dich im verlust gewonnen
geh im gewinnen fast entzwei
doch im vertrauen eingeboren
bleibt hoffen auf die anderzeit

licht soll werden über morgen
wege sollen sichtbar sein
und statt steinern abzusperren
grab ich mich in wolken ein

fühlen will ich tagesweise
kräfte sammeln für die nacht
die freundlichkeit darin erhalten
dich mich und uns dazu gestalten
hab ich altdunkel fort gebracht
zu träumestarker andersreise

(Copyright © 17. Juni 2015, Bernd Pol)

Montag, 8. Juni 2015

Dichters Klage unterm Hochnebel

Was könnte heute
doch für ein Tag sein,
mit Sonne satt
und tausend Versen.

Aber so drückt mich der Nebel,
der ganz hohe weit oben,
herunter ins Nichtssein,
ins geistlos dumpfe,
Kopf entleerte
Sinnenlose.

Da drängt sich alles aufzuschreiben,
zu singen vom Beisammensein,
zu übervoller Liebesrede,
zum Allweltleben,
tätig sein.

Doch dann genügt ein Fensterblick,
wie sich das Grün heut niederdrückt,
und alles Wollen flieht aus dem Gehirn:

Ich tät's so gern,
es will nicht glücken,
elendig Klagen nur
statt Weltenstücken.

Doch lässt sich's Dichten nicht vertreiben,
muss das in Versezeilen schreiben …

(Copyright © 8. Juni 2015, Bernd Pol)

Sonntag, 7. Juni 2015

neuer morgenaltgesang

habe mir heute die alten kleider neu genommen
um vertraut einzuwachsen in diesen tag
wie er sich aus vergangenem herüberschwingt
von einer leer durchwachten nacht

es schweigen wieder
altgespenster
dauerwispern scheut
zu lautes
tagesaußensein

muss mich nicht in alten kreisen drehen
heut morgen bin ich tages frei
und nehm mir in die offenen arme
was neu herüberkommt mit wachem sein
und sich anschmiegt
so warm durch meine
vertrauten alten
kleidersachen

auch wenn im hintergrund noch zweifel lauern
wenn ungewusst geahntes wirklich werden will
wenn du anders wirst statt nachtgeflüster
wenn tageswirken alte ängste überwächst

am wissen freue ich mich
in meinen alten kleidern
trag ich dich in
diesen einzig
hellen tag

(Copyright © 7. Juni 2015, Bernd Pol)

Samstag, 6. Juni 2015

Finden lassen

Du sagst, ich sollte mich versammeln gehen,
mal eines sein mit mir im Weltenkern
und mit Gewissheit mich
sicher finden lassen
hier von dir.

Ich finde mich immer an derselben Stelle,
weit über meine ganze Innenwelt verstreut.
Da ist es nicht schwer, mich neu zu treffen,
wenn man nur die Knoten in den Fäden
behutsam löst.

Die Orte sind mitunter gar zu weit
über meine Träume ausgebreitet,
aber was mich träumen will
bleibt mein und ich
in ihm.

Bleib nur treu bei mir
über unser eigenes Leben
bin ich ganz frei entfernt
am liebsten innig nah bei dir.

(Copyright © 6. Juni 2015, Bernd Pol)

Freitag, 5. Juni 2015

vom ende gesehen

ein liebesreisen hab ich mir gefunden
vom anfang in fernen beginnen
zu neuem dasein irgendwo
im noch ausstehenden schluss
um was dazwischen geschah
erneut mit dir zu leben

das reicht durch weite zaubernächte
über mühetage und sorgenwochen
miss und andere verständnisse
zum großen eins sein am
verschmolzenen ende
zum gewesen sein
in dauerzeit

ein leben will ich weiter durchgenießen
da wo aus vielen eines neu entstand
vom urprung ganz im ungewissen
zum endesein in einer hand

das ist als wollte lieben neu erwachen
mit jedem morgen in bewusster nacht
ein reifen hier in leichtem gleiten
ein leben unter wunderzeiten
wieder neu gemeinsam lachen
das still geteiltes zwei sein macht

(Copyright 5. Juni 2015, Bernd Pol)

Mittwoch, 3. Juni 2015

vergebener abend

ich hätt heut so gerne das wunder wieder gesehen
das von gestern als du gingst unterm licht
als du kamst unterm licht
als du gingst
als du kamst
und die wolken versanken im gold

doch wundern ist nicht zu vertrauen
denn dieses heut kamst du mir nicht
und das licht starb mir fort
hinter betrügenden wolken

das sehnen des tags
ist im graudunst ertrunken
als du nicht gingst
als du nicht kamst
und der himmel vermisste dein licht

es ist so schwer im sehnen zu leben
es war heut kein schaf in den wolken
dagegen komm ich nicht an

(Copyright © 3. Juni 2014, Bernd Pol)

morgentrauen

vertrauen hab ich in den tag gelegt
dass er leben bringe
und frische saat
um im heute ein morgen zu bestehen
das ein gestern werden muss

das war als die sonne sich
den tälern vermählte und
die gipfel aufschmolz
in wolkenstraßen

wo die frühen lerchen
mich ins fernweh trieben
bis sie in neues grün gefallen
verstummt ihr wahres leben trugen

und die sonne ließ die berge frei
den tag ausbrüten
wie er kommen soll
das heute aufs neue zu entfalten
in gestern und morgen zeit

(Copyright © 3. Juni 2015, Bernd Pol)