Freitag, 20. Juli 2012

Tragende Zeit


Es ist die Zeit, die uns trägt,
und wir tragen die Zeit.

Nichts wäre sie ohne uns
und nichts wir ohne Zeit:

Es ist das Leben, das uns Zeit gebiert,
und wir, die ihm Zeitgestalt verleihen.

Wie Unglück sie ins Unendliche dehnt.
Wie Glück sie ins Verschwinden zwingt.

Wie sie das Licht der Welt ins Leben zieht.
Wie sie durch unbekanntes Lebensdunkel leitet.

Sie ist alles und sie ist nichts,
sie ist ein Augenblick und sie ist Ewigkeit

in einem -
in der Welt -
in uns -

in dir,
in mir.

©Copyright: Bernd Pol, 20. Juli 2012

Sonntag, 15. Juli 2012

Die Sprache der Steine


Steine können reden,
es ist das große Schweigen in den Kathedralen,
wo dich der Schrei der Schwere niederdrückt,
der Zwang, dem Fall zu widerstehen.

Sie sprechen zu dir, diese Steine,
nach längst evolutionsverlorener Vorvormenschenart,
ziehen sie an dir und stoßen dich
bist du nur bereit, dich einzulassen
auf ihr bloßes Sein.

Sie rufen, die Steine,
wollen betreten, beschrieben,
beantwortet sein
im unendlich steten Dialog
der Sprache der Schwere.

©Copyright: Bernd Pol, 15. Juli 2012

Freitag, 6. Juli 2012

manchmal keine verlorene zeit

und manchmal geschieht es
dass du dich ganz zufällig öffnest
nach wochen und monaten und jahren
einmal nicht dies innere fühlen beschweigst

und manchmal geschieht es
dass du im trösten und stützen
verschenkst was so ein heilen erfordert
was spontan einen augenblick schranken befreit

und manchmal geschieht es
du erntest kein ja und erntest kein nein
stehst allein vor unausdeutbarem schweigen
vor mauern aus verletzter verstörender einsilbigkeit

und manchmal geschieht es
da setzt sich schweigen auf schweigen
doch man trifft sich als sei gar nichts passiert
und irgendwo treibt dennoch ein kleiner rest hoffnung

denn manchmal geschieht es
ein verrückt unsagbares wunder
und es war doch keine verlorene zeit

©Copyright: Bernd Pol, 6. Juli 2012

Freitag, 22. Juni 2012

stürme halten

es sind die tage
in denen mit stürmen
hausgehalten werden muss
nur um die mauern zu wahren
das wilde land gedeicht zu halten

sekunden stunden monate jahre
und immer wieder diese tage
die stürme auszuhalten
dass dieses drängen
kein leben bricht

ein schrei will dies gelassensein zerwinden
ein augenblitz die welt aufreißen
damit die strudel ihren abgrund finden
den fluten ihre wege aufzuweisen

wär da nicht diese eine schranke
das leben könnte überwältigt sein
und du dort auf der schmalen planke
würdest ein schwerer schwimmer sein

die tage sinds
in denen stürme zählen
in denen aller mut erneut zerbricht
der an den schleusentoren wache steht
und immer wieder warten will
auf die befreite lebenshand

©Copyright: Bernd Pol, 15. Juni 2012

Freitag, 15. Juni 2012

dauer zweifel leben

und immer wieder neu die zweifel
was ist wenn sich kein lieben lohnt
wenn all das leben ohne antwort bleibt
und kein gemeinsam sein entsteht

was ist wenn echte brücken fehlen
wenn worte keine schluchten überwinden
und all der abstand unbezwingbar bleibt

da führt kein weg hier zwischen dir und mir
da hat vertrauen kein zusammensein bewirkt
die welten sind getrennt die wir bevölkern
und sprechen steckt im unverstehen fest

nur ein gefühl lebt da
wir sind verbunden
ein stilles lebenswissen
ich gehör zu dir

und dennoch immer wieder
solches schweigen
in dem ein dauerzweifel
einsam wächst

es gibt ein leben
jenseits aller täuschung
im schweigen führt ein ruheweg
ein wort dass du mich gehen lässt

©Copyright: Bernd Pol, 15. Juni 2012

Mittwoch, 30. Mai 2012

kerben im horizont

zweifach wie kerben im horizont
verschieden gemeinsames doppelbegehren
das hier nicht trägt

ein wollen ist dort eingeprägt
ein wünschen über fluchtreflexe
und hoffnungsfern

belastungsunwert festgerastet
mitunter jedes wort bereits zuviel
und doch kein ausweg
kein entkommenspfad

im horizont im kerbenlicht
ein wächter wie mit flammenschwert
ein schlag wenn das vertrauen überbordet
ein rückstoß wenn es schwinden soll

im horizont fest eingekerbt
die orte wo vielleicht ein lieben wohnt
und dennoch nicht besteht
in trüben sehnsuchtstagen

©Copyright: Bernd Pol, 30. Mai 2012

und es ist gut

dann wenn ein lieben im vertrauen trägt
und keine worte nötig sind als nur
ein du und ein ich darf und still
es ist so schön dass es dich gibt

dann wenn die welt den punkt erreicht
an dem nur sanftes ruhen um uns lebt
und aller zweifel schweigen darf
für einen endlos zarten augenblick

wenn es genügt du bist mir nah
gerade mal zwei schritte weit
auf armeslänge eingerichtet
in sicherem vertrauensstand
und nur dies rasche leuchten lebt
in diesem blick bei ganz banalem
alltäglichem gesprächsgeschäft

dann ist es gut
als wär ich in dir aufgegangen
dies kleine blitzen in der zeit
dies still sein über ewigkeiten
als wärst du in mir aufgegangen
und es ist gut

©Copyright: Bernd Pol, 30. Mai 2012