Freitag, 24. August 2018

menschen wald sein

unter dem rauschen
schließt stille sich ein
treibt zwischen pfeilern
aus unzählbarem leben
neu hin gewebtes sein

da wächst im streifen ein hoffen zusammen
auf die einheit der welt und das erkennen
vom sein und vom werden und wieder gehen
und dass dem fuchs die liebe gehört wie
jedweder maus die er notwendig erlegt

und knapp unterm moos
träumen steine schwer
zeitfernes dasein im
gebirge erinnern und
fernen sandig werden

mit ewigkeiten aus gemeinsamem schweigen
zwischen stämmen im still werdenden sein
wo nähe dicht wächst von menschen und welt
und lieben gestalt wird im blicken zum blick
weil die fülle im dasein berühren erfordert
gemeinsam im baumlicht geerdeten leben

vom lieben entsteht
im menschen ein wald
weit über die bäume
und füchse und steine
zum wissen ums sein
im ende von ewigkeiten

(copyright © 24.8.2018, bernd pol)

Montag, 20. August 2018

wieder neu sein

es ist er tag des morgenrasens
wie tanzen über sonnenperlen
tausendfach in halmesspitzen

ohne die füße zu nässen
kein wunder zu stören
weit vor seiner zeit

etwas aber auch
vielleicht die scheu
vor letzten schnecken
zwischen den halmen

so steh ich hand in hand
leise mit dir vor all den
morgenwundern und lebe
den stillstand dieser zeit
in selbstverständlichkeit

das ist wenn augenblicke sich häufen
aus jahren und jahren gestalteten lebens
und jeder wiederholte schritt wird
immer selbstverständlich neu

das gilt den schnecken im morgenrasen
ebenso wie dem tau in tiefer sonne
und dem erinnern an gewitterwuchten
und dem frost und der hitze in
wetter überbordenden jahren

so viel leben hat
sich angehäuft in
guten jahren unter
schwereren zeiten

als wir den tau nicht merkten
und nicht die blättertropfen
und die schnecken nicht und
kein leben über sonnenperlen

doch heute vor dem morgenrasen
lebt dies einverstehen wieder

uns wärme zu sammeln
von hand zu hand

lebenstrauendweise

(copyright © 20.8.2018, bernd pol)

Montag, 30. Juli 2018

mit bäumen zu leben

ich liebe es still mit den bäumen zu dösen
an ruhigen tagen dem einatmen zu lauschen
gemeinsam wasser luft und sonne zu trinken
im wieder erschaffen reiner lebendiger kraft

dies ist die zeit
stämme zu umarmen

einfach ein ruhen
durch sich gleiten lassen
vor der mühe kommender nacht

ich liebe es abendgesprächen zu lauschen
im späten hereinsinken sanfteren leuchtens
die freude zwischen baumkronen zu spüren
oder dies trauern um einen gefallenen freund

still verstehend einfaches sein
welten geschehend zu leben
unter dem kronendickicht

einfach nur existenzen
schweigend zu teilen

ich liebe das erwachen zur nacht durchzuleben
wenn die mühe des wachsens riesen durchflutet
unter strengen kronen dies treiben zu spüren
wie blitze ins dasein vordrängende tageskraft

da wächst die zeit
unter bäumen zu lieben
in erdvertrauen geborgen

gemeinsam lebendig zu sein

(copyright © 30.7.2018, bernd pol)

Sonntag, 29. Juli 2018

wieder erkennen

was geschieht hier wenn
du die augen aufschlägst während
ich dich im halbdunkel schaue

ein lächeln des erkennens
wuchs dir aus dem traum
und mir wird so innig warm
weil das noch immer geht

das tut die nähe der nacht
und das wissen um die tage
aus denen solch ein kennen
und wiederkennen reifte

wenn ich die augen aufschlage
im halbdunkel und dein schatten
lebt sich wieder ein bei mir

das geschieht hier
genau das

(copyright © 29.7.2018, bernd pol)

Mittwoch, 25. Juli 2018

umbruch

es war da
als ein augenblick
zwischen trauer und freude brach
und die welt stille stand
am abgrund zwischen
heute und jetzt
in furcht vor
dem morgen

ein schwacher schleier
zog vom horizont zum
nochdunkelzenit

erste amseln übten
und katzen streiften
noch grau aufgelöst
zwischen sträuchern und gras
auf angestammter vergebener pirsch

es war jener augenblick
an dem das innere der welt
sich wieder suchenden zeigte

den katzen
den amseln
den büschen
den bäumen
dem gras

und jenen liebenden
die den ausgang der nacht
zu nutzen verstanden

im einzig ewigen augenblick

aus der dauer der nacht
vor dem fordern jedes
noch fremden tags

(copyright © 25.7.2018, bernd pol)

Montag, 23. Juli 2018

ums licht erinnern

war da reine gestaltlose weite
ein sog der leben zur einzigheit zwingt
ein auflösen war da und ein wiederfinden
ein ganzes und alles jemals geschaffne
war menschen fülle da und nichts

es führten straßen da
ins unkartierbare
ungestalt im weiterschritt

mit bäumen am weg
in augenblicken entstanden
vergangen im augen blick
vom unwissend sein

im staub des immer gewesenen
den die füße als wiederkehr spürten
zerfielen die stimmen geschaffener welten
wort und ordnungslos in bloßer tatsächlichkeit

und das wissen floss
geisthaft zusammen
strukturlos erkannt und
menschen unfassbar

es war zu groß dieses licht
aus erfüllen wuchs da
pure angst ums wesen
gestaltbarer wirklichkeit

bis die liebe kam
wie menschennähen führten
ins gemeinsame
teilbare gewordne wirklich sein

(copyright © 22.7.2018, bernd pol)

Samstag, 30. Juni 2018

schlaflied im vollen mond

ich hab dich heut im vollen mond gesehen
als sein schein die sterne deckte über dir
und in deinem atem die welt ganz sacht
mit träumetanz den schlaf umschuf

ich möchte dich mit händen decken
sanft deine augenlider streichen
und die lippen überformen im
fernen kaum berührten kuss

dann wenn der mond erinnerungen schafft
aus leichtem licht in warmen nächten

lieg ich bei dir
und schaue mich
wieder neu gesund

(copyright © 30.6.2018, bernd pol)