Donnerstag, 20. September 2018

ein herbstlaub begegnen

und es ist doch ein tausendfaches sterben
bald im beginnenden herbst unter den bäumen
ruft was aus frühjahr und sommer versprochen war
sein letztes rauschend zerbrauntes leb wohl

ein gehen ohne trauer ist das
und doch die flut von lebensenden
mit dem versprechen auf kommende jahre
die aussicht auf bildlos treibendes wintergeträum

ich stehe und die stämme reden mich an
es sei trotz allem ein wunder
dies vergehen in frieden
und freiwilligkeit

wo hier in baumlebenskurzer zeit
aus all dem friedvoll bewahrten
das leben wiederum treibe
in fester gemessenheit

ja die stämme und wurzeln wirds freuen
wenn in liebender kindesweise mich
wieder dies rauschen durchspielt
schlurfend in kniehohen bergen

(copyright © 20.9.2018, bernd pol)

Samstag, 25. August 2018

einfaches glück

geschaffen aus dem du
zum morgen in
diesem frühen tageswind

in dem man sich nicht missen mag
von dem wir aus aller nacht
zum du und ich im unbegrenzten tag

in diesem blick
werd ich bestehen
was immer auch
im licht begegnet

und das lächeln und die augenblicke
das spüren einer freien hand
und treiben lassen in gemeinsamkeit

aus vertrauen zwei leben
bis zum abendwir in
stiller neuer liebesnacht

(copyright © 25.08.2018, bernd pol)

Freitag, 24. August 2018

menschen wald sein

unter dem rauschen
schließt stille sich ein
treibt zwischen pfeilern
aus unzählbarem leben
neu hin gewebtes sein

da wächst im streifen ein hoffen zusammen
auf die einheit der welt und das erkennen
vom sein und vom werden und wieder gehen
und dass dem fuchs die liebe gehört wie
jedweder maus die er notwendig erlegt

und knapp unterm moos
träumen steine schwer
zeitfernes dasein im
gebirge erinnern und
fernen sandig werden

mit ewigkeiten aus gemeinsamem schweigen
zwischen stämmen im still werdenden sein
wo nähe dicht wächst von menschen und welt
und lieben gestalt wird im blicken zum blick
weil die fülle im dasein berühren erfordert
gemeinsam im baumlicht geerdeten leben

vom lieben entsteht
im menschen ein wald
weit über die bäume
und füchse und steine
zum wissen ums sein
im ende von ewigkeiten

(copyright © 24.8.2018, bernd pol)

Montag, 20. August 2018

wieder neu sein

es ist er tag des morgenrasens
wie tanzen über sonnenperlen
tausendfach in halmesspitzen

ohne die füße zu nässen
kein wunder zu stören
weit vor seiner zeit

etwas aber auch
vielleicht die scheu
vor letzten schnecken
zwischen den halmen

so steh ich hand in hand
leise mit dir vor all den
morgenwundern und lebe
den stillstand dieser zeit
in selbstverständlichkeit

das ist wenn augenblicke sich häufen
aus jahren und jahren gestalteten lebens
und jeder wiederholte schritt wird
immer selbstverständlich neu

das gilt den schnecken im morgenrasen
ebenso wie dem tau in tiefer sonne
und dem erinnern an gewitterwuchten
und dem frost und der hitze in
wetter überbordenden jahren

so viel leben hat
sich angehäuft in
guten jahren unter
schwereren zeiten

als wir den tau nicht merkten
und nicht die blättertropfen
und die schnecken nicht und
kein leben über sonnenperlen

doch heute vor dem morgenrasen
lebt dies einverstehen wieder

uns wärme zu sammeln
von hand zu hand

lebenstrauendweise

(copyright © 20.8.2018, bernd pol)

Montag, 30. Juli 2018

mit bäumen zu leben

ich liebe es still mit den bäumen zu dösen
an ruhigen tagen dem einatmen zu lauschen
gemeinsam wasser luft und sonne zu trinken
im wieder erschaffen reiner lebendiger kraft

dies ist die zeit
stämme zu umarmen

einfach ein ruhen
durch sich gleiten lassen
vor der mühe kommender nacht

ich liebe es abendgesprächen zu lauschen
im späten hereinsinken sanfteren leuchtens
die freude zwischen baumkronen zu spüren
oder dies trauern um einen gefallenen freund

still verstehend einfaches sein
welten geschehend zu leben
unter dem kronendickicht

einfach nur existenzen
schweigend zu teilen

ich liebe das erwachen zur nacht durchzuleben
wenn die mühe des wachsens riesen durchflutet
unter strengen kronen dies treiben zu spüren
wie blitze ins dasein vordrängende tageskraft

da wächst die zeit
unter bäumen zu lieben
in erdvertrauen geborgen

gemeinsam lebendig zu sein

(copyright © 30.7.2018, bernd pol)

Sonntag, 29. Juli 2018

wieder erkennen

was geschieht hier wenn
du die augen aufschlägst während
ich dich im halbdunkel schaue

ein lächeln des erkennens
wuchs dir aus dem traum
und mir wird so innig warm
weil das noch immer geht

das tut die nähe der nacht
und das wissen um die tage
aus denen solch ein kennen
und wiederkennen reifte

wenn ich die augen aufschlage
im halbdunkel und dein schatten
lebt sich wieder ein bei mir

das geschieht hier
genau das

(copyright © 29.7.2018, bernd pol)

Mittwoch, 25. Juli 2018

umbruch

es war da
als ein augenblick
zwischen trauer und freude brach
und die welt stille stand
am abgrund zwischen
heute und jetzt
in furcht vor
dem morgen

ein schwacher schleier
zog vom horizont zum
nochdunkelzenit

erste amseln übten
und katzen streiften
noch grau aufgelöst
zwischen sträuchern und gras
auf angestammter vergebener pirsch

es war jener augenblick
an dem das innere der welt
sich wieder suchenden zeigte

den katzen
den amseln
den büschen
den bäumen
dem gras

und jenen liebenden
die den ausgang der nacht
zu nutzen verstanden

im einzig ewigen augenblick

aus der dauer der nacht
vor dem fordern jedes
noch fremden tags

(copyright © 25.7.2018, bernd pol)