Montag, 30. Juli 2018

mit bäumen zu leben

ich liebe es still mit den bäumen zu dösen
an ruhigen tagen dem einatmen zu lauschen
gemeinsam wasser luft und sonne zu trinken
im wieder erschaffen reiner lebendiger kraft

dies ist die zeit
stämme zu umarmen

einfach ein ruhen
durch sich gleiten lassen
vor der mühe kommender nacht

ich liebe es abendgesprächen zu lauschen
im späten hereinsinken sanfteren leuchtens
die freude zwischen baumkronen zu spüren
oder dies trauern um einen gefallenen freund

still verstehend einfaches sein
welten geschehend zu leben
unter dem kronendickicht

einfach nur existenzen
schweigend zu teilen

ich liebe das erwachen zur nacht durchzuleben
wenn die mühe des wachsens riesen durchflutet
unter strengen kronen dies treiben zu spüren
wie blitze ins dasein vordrängende tageskraft

da wächst die zeit
unter bäumen zu lieben
in erdvertrauen geborgen

gemeinsam lebendig zu sein

(copyright © 30.7.2018, bernd pol)

Sonntag, 29. Juli 2018

wieder erkennen

was geschieht hier wenn
du die augen aufschlägst während
ich dich im halbdunkel schaue

ein lächeln des erkennens
wuchs dir aus dem traum
und mir wird so innig warm
weil das noch immer geht

das tut die nähe der nacht
und das wissen um die tage
aus denen solch ein kennen
und wiederkennen reifte

wenn ich die augen aufschlage
im halbdunkel und dein schatten
lebt sich wieder ein bei mir

das geschieht hier
genau das

(copyright © 29.7.2018, bernd pol)

Mittwoch, 25. Juli 2018

umbruch

es war da
als ein augenblick
zwischen trauer und freude brach
und die welt stille stand
am abgrund zwischen
heute und jetzt
in furcht vor
dem morgen

ein schwacher schleier
zog vom horizont zum
nochdunkelzenit

erste amseln übten
und katzen streiften
noch grau aufgelöst
zwischen sträuchern und gras
auf angestammter vergebener pirsch

es war jener augenblick
an dem das innere der welt
sich wieder suchenden zeigte

den katzen
den amseln
den büschen
den bäumen
dem gras

und jenen liebenden
die den ausgang der nacht
zu nutzen verstanden

im einzig ewigen augenblick

aus der dauer der nacht
vor dem fordern jedes
noch fremden tags

(copyright © 25.7.2018, bernd pol)

Montag, 23. Juli 2018

ums licht erinnern

war da reine gestaltlose weite
ein sog der leben zur einzigheit zwingt
ein auflösen war da und ein wiederfinden
ein ganzes und alles jemals geschaffne
war menschen fülle da und nichts

es führten straßen da
ins unkartierbare
ungestalt im weiterschritt

mit bäumen am weg
in augenblicken entstanden
vergangen im augen blick
vom unwissend sein

im staub des immer gewesenen
den die füße als wiederkehr spürten
zerfielen die stimmen geschaffener welten
wort und ordnungslos in bloßer tatsächlichkeit

und das wissen floss
geisthaft zusammen
strukturlos erkannt und
menschen unfassbar

es war zu groß dieses licht
aus erfüllen wuchs da
pure angst ums wesen
gestaltbarer wirklichkeit

bis die liebe kam
wie menschennähen führten
ins gemeinsame
teilbare gewordne wirklich sein

(copyright © 22.7.2018, bernd pol)

Samstag, 30. Juni 2018

schlaflied im vollen mond

ich hab dich heut im vollen mond gesehen
als sein schein die sterne deckte über dir
und in deinem atem die welt ganz sacht
mit träumetanz den schlaf umschuf

ich möchte dich mit händen decken
sanft deine augenlider streichen
und die lippen überformen im
fernen kaum berührten kuss

dann wenn der mond erinnerungen schafft
aus leichtem licht in warmen nächten

lieg ich bei dir
und schaue mich
wieder neu gesund

(copyright © 30.6.2018, bernd pol)

Dienstag, 19. Juni 2018

memento

es ist der schaum an den grenzen des lebens
dort wo der fluss sich nach den steinen beruhigt
nach all den hindernissen im lebendigen sein
treibt es im wind und hofft auf ruhiges wasser

dort am rand
im innern meiner blase
hock ich und schau dem treiben zu
in und außer der welt
ganz für mich und doch eingebunden
mit all den andern
hier außer mir

fast weiß ist der schaum von außen gesehen
man sieht die einzel treibenden nicht
schicksale in blasen fest eingebunden
bis jede platzt irgendwo inmitten des teichs

es fällt schwer
im innern meiner blase
abgetrennt zu sein von anderen leben
in und außer der welt
zu wissen was da gemeinsam widerlebte
nun kaum erreichbar
hier außer mir

im schaum an den grenzen von gewesenem leben
dort wo der fluss sich in wirbeln verfängt
die blasen einfangen bis zum ende des daseins
wenn nicht ein leichtes schicksal diese umschifft

da kratze ich wieder
an den gehärteten rändern
und weiß eines tages breche ich frei
selbst abzutauchen in
die gefährliche schönheit neuer welten
hinter den grenzen des lebens
gemeinsam mit dir

(copyright © 19.6.2018, bernd pol)

Montag, 11. Juni 2018

fernes leuchten nah zu leben

dann sind da die schweren nächte
mit wetterleuchten im fenstergrund
und ich spüre deine heiße starke nähe
und warte auf den schauer im donnergroll

irgendwo weit ab am horizont und
spür dich die sekunden zählen
und weiß es ist noch immer
wirklich weit genug

es ist zu schwül und heiß
sich zu umarmen
so dasein ist
uns nah und gut genug

sich atmen spüren durch matratzenfedern
und leises sprechen von gewitterfernen
bis hin zu neuen lebensnähen und
zu wissen dass es wächst
und bleibt wenn dort
am horizont die
wetter treiben

ich mag die leichtigkeit in schweren nächten
und liebe es mit dir zur welt zu sein
und einfach nur das leben wissen
und wieder nur dies wir allein

(copyright © 11.6.2018, bernd pol)