Sonntag, 22. Oktober 2017

letzter versuch

komm lass uns glanz auf die wunden legen
zerschrundene seelen brechen so leicht
und dann lass uns sitzen um stille zu trinken
arglos für sich bis zum anbruch der nacht

lass uns mit binden die münder bedecken
gegen den rauch aus den bränden des tags
und schauen und ein sanfteres wunder erhoffen
das die schwelenden reste mit tränen verlöscht

und dann lass uns noch sehen
ob die pfeiler doch tragen
vielleicht einen steg hier
über das reißen im fluss

und vielleicht lass uns
neu mit ruhigen händen
liebeskräfte bewegen

für leichtere brücken
über sumpfige ufer
aus zorniger zeit

doch wenn wirklich kein baum mehr
uns mit festen bohlen beschenkt
aus der zeit als das lieben
ihn in leidenschaft hielt

lass uns die zeit für einen
letzten traurigen blick
und dann lass uns gehen

still ohne
ein weiteres
zu schweres wort

(copyright © 22.10.2017, bernd pol)

klagegesang

was soll werden
wenn dich das lieben zerreißt
und wieder die erde sich gegen
den himmel stellt

das ist das hiersein in den mühen des niedrigen tages
das streiten um jeden verfügbaren teil deiner zeit
das nach dem nächst erreichbaren greifen
das sorgen packen das grenzen zerren
das unter allem ohnmächtig sein

und dann doch immer das sehnen
und dann das stets unvollständig sein
und dann das nicht zu einem werden können
und dann das zerreißen von wünschen und welt

was soll werden
wenn dich das lieben nicht versteht
und sprechen nur gegenreden erschafft

über getrennten teilen
einer haltlosen
weglosen
welt

(copyright © 22.10. 2017, bernd pol)

Freitag, 20. Oktober 2017

und immer dann

und dann habe ich wieder gesehen
wie verletzlich sie doch immer ist
unsere welt und wie dünn doch
was uns lebendig erhält dieser
so zarte atmosphärenfilm über
dem erdkugelrand zum all

und dann immer wieder neu die frage
was reitet bloß die mächtigen
uns nicht wenigstens dies
mit fleiß zu erhalten

und dann weiß ich doch immer wieder die antwort
wenn ich auf die felder sehe und die fabriken
und die meere die berge die menschen

und dann weiß ich immer neu
ich gebe das hoffen und das
fechten ein leben nicht auf

(copyright © 20.10.2017, bernd pol)

Donnerstag, 19. Oktober 2017

herbstmorgenblues

ein morgen wie es viele gab
draußen wächst die nebeltrübe
dichter unter ferne leuchtenkegel

der nachbarshund führt wen spazieren
graue katzen huschen zwischen zäunen
irgendwo schimpft eine ärgerliche amsel
und beim fenster schnauft ein später igel

so normal wächst hier die welt
in den tag der eben nicht recht will
das licht lässt länger auf sich warten
und es rumort schon zeitig in der stadt

der frühstückskaffee kommt noch ungelegen
das radio versammelt krieg und schulden
und immer menschenunverträglichkeit

doch man mag den tagesgang
am abend dann vielleicht
ein wenig loben dürfen

aber noch ist dieser morgen
einfach nur unerträglich grau

(copyright © 19.10.2017, bernd pol)

Dienstag, 17. Oktober 2017

herbstmelancholie

heut wär ich gerne auf dem ast
ganz vorne wo die blätter fallen
und jedem rotgold eine stimme geben
ein leises rauschen hier und da ein oh

so wollt ich spüren wie der herbst vergeht
und wenn vor mir die blätter einzeln sterben
ein wenig trauer treiben und durch ein sehnen ziehen

und auf das rauschen lauschen
wo ein herzschlag sich im
blättersterben eint

dort auf dem ast ein wenig leben träumen
wie es geht und vielleicht wiederkommt
im nächsten jahr womöglich so
unter diesem ast die ersten
blüten leise aufzufangen

(copyright © 17.10.2017, bernd pol)

Sonntag, 15. Oktober 2017

wagnis

hab mich ein kleines hoffen gewagt
so eines ohne grund und ziel
einfach nur zum wieder lernen ob
das leben lohnt und immer wie

das ist wenn das schweigen übermächtig wird
wie gewitterschläge tief im innenleben
wenn dasein ferne blüten treibt
und du schaust die kaum erreichbaren
die hände in den taschen vor vergeblichkeit

ein kleines tun
zum wünsche fliegen lassen
die geste hier
nur eine tür zur welt zu öffnen

selbstentriegelung

ein kleines hoffen nur
aber es darf die quelle sein
für ein ganzes weites lebensmeer

(copyright © 15.10.2017, bernd pol)

Samstag, 14. Oktober 2017

zerrissenheiten

hab einen schein
über deinen gelegt
so ein ahnen aus welten
die viel zu wahr sind
um wirklich wirklich zu sein

es ist als wollten wir zukunft gestalten
mit hilflosen worten händel erreichen
ein zeichen suchen in gemeinsamem halten
wo die lettern aus den wörtern weichen

da ist kein verstehen
in zerrissenen sprachen
nur die körper wärmen
und ein blick gibt noch halt

(copyright © 14.10.2017, bernd pol)