Montag, 29. Mai 2017

schicksalsbetrauern

hast du dir ein leben erinnert
das wie es war und jenes
was hatte werden wollen

in den frühen träumen
den verlorenen kämpfen
den gewonnenen auch

den überwältigungen und
den überraschungen die
den wegen neue ziele gaben

den enttäuschungen über dein eigenes selbst
den enttäuschungen aus fremdwerdungen
den enttäuschungen durch das ziehen der zeit

hast du aufgegeben
wo deine wege zu früh
ein einbahnstraßenende fanden

oder hast dich durchgebissen
immer neu im trotz alledem
menschen hart beiseite gedrängt

zu früh vielleicht um
teilzunehmen beider-
allerseits an allerwelt

gemeinsamkeit ist verloren gegangen
dein leben hat nicht zu andern gepasst
und kein werkzeug war dies anzugleichen

durch schmerzen wahrscheinlich denn
hobeln tut weh
auf den werkbänken des lebens

ungeschenkt und unerworben
und du verstehst nicht wo
niemand in die schatten sieht

manchmal ist ein glück handbreiten nah
manchmal im rechten pausieren
manchmal um nur angenommen zu sein

im erinnern ein schmerz
im erinnern ein glück
im erinnern graues dauersein

das lebensverlorene kehrt nicht zurück
das lebenserhoffte mitunter schon

(copyright © 29.5.2017, bernd pol)

Samstag, 27. Mai 2017

trauer über morgenfarben

was ists um diese morgenfarben
wie sie sich aus dem horizont erheben
sich sanft ausstreun zu lassen
übers nachtverlassne zwischengrau

im gedankenmorgengehen
auf versteckten gartenwegen
vorbei an ersten amseln
dem verschreckten frühen igel

taut immer näher leben draußen auf
rückt schon nah im weltenspüren
und wunder wachsen mir beinahe neu

fern rühren menschenlaster sich
droben brüllt ein erster düsenjet
es rüttelt in mir altes grauen wach
das sich krallt ins sanfte zeitidyll

die morgenfarben haben ihren glanz verloren
der horizont wird sonnenblass
und in der zeit will sich kein hoffen trauen

wie lang bloß noch bis
zu einer sanften menschenwelt
die wachsen darf aus morgenfarben

(copyright © 27.5.2017, bernd pol)

Sonra (Danach)

du bist die stille nach dem sturm
hier im wellen weicher schlagen
ein früher wärmelebensstrom

noch bleibt die spannung aufgehoben
ein ewigweites lebenstreiben
schreit hier nach aus stillewelten

gestrandet aus der zeit vom
kleinen sterben
träumend noch im beidemals

eins gewesen sein mit dir
darin weiter immer
weiter treiben

– Für Katharina Kretschmer
nach ihrem gleichnamigen Bild –

(copyright ©, 27.5.2017, bernd pol)


Freitag, 26. Mai 2017

was wäre nicht

wo wär ich dann
wenn die liebe fehlte
und all dies unendliche
mir unfassbar gewesen wär

das ist
die liebe
in vielfalt
aller gestalten
aller gefühle
allen seins
und dazu
leben

was wär ich
wär ich nicht
gewachsen mit dir
und all dem schrägen
konflikt gesättigten
glücksendgefügten
tiefen leben
jetzt und
weiter
hier

was wäre
ich mags nicht wissen
selbst dann
wenn es gut geworden wäre

dies leben ist uns
zugewachsen zum
durchkosten
jedentags

so soll es sein

(copyright © 26.5.2017, bernd pol)

Mittwoch, 24. Mai 2017

blütenleben

heut war ein wahrer blütentag
ein tag sich im grünen zu verlieren
ein tag der auch die sonne trägt
selbst bei dichten wolkenbrettern

heut hab ich mir neu
die beete geschaffen
in denen ich säen will
unseren hierlebenstag

der aus jenen mühen wächst
die wir uns heute gemeinsam gegeben
mit dem harken und säen und pflegen
zum standhalten dieser liebe

komm lass dir eine blüte schenken
dass sie dir nachricht bringt zur nacht
so ein kleiner warmer liebesgesang
ein umarmen zum lebensblütentag

(copyright © 24.5.2017, bernd pol)

Dienstag, 23. Mai 2017

beinahe fast überbewertet

was bliebe hier noch von der welt
wenn die liebe nichts verschenken dürfte
wenn das herz dem herzen nicht mehr glaubte
und kein mittel mehr die einsamen zwecke heiligte

es war doch stets das teilen dürfen
eins sein können in des anderen glück
und das leuchten vor dem kleinsten
wie dem größten stück immer da
wo überraschen ohne vorbehalt
ein stück der welt beglänzte

und seh ich deine augen
und seh ich wie der kopf
nützlichkeiten murrend die freude trübte
und ich seh dahinter
und ich mein herz

das ist wo altes erziehen versagte
das freude nicht kennt und keine lustvolle pflicht
was einesteils leben verhindert
was andrerseits das glückesbewünschen betreibt

ich meinesteils
mag ohne bedenken
die welt verschenken
auch in jedem einzelnen teil

(copyright © 23.5.2017, bernd pol)

gewöhnungen

ich denk ich hab mich so an dich gewöhnt
und dann wieder denke ich das nicht
und spüre nur der mühe nach wie sie war
dass du dich mir so nähern konntest

und dann ist immer wieder die trauer geblieben
um jede falte im sein
so verschieden erlebt
im gemeinsam doch immer wieder anderen leben

und das wunder das es doch gibt
sich ständig neu zu erleben
am andern und im innig
verstanden zu sein

da ist es wo uns die liebe wohnt
und da wo wir die welt uns neu
immer wieder zum beiderleben
erschaffen trotz alledem

denn so hab ich mich wieder an dich gewöhnt

in einem gespräch
in einem klärenden wort
im trost beisammen zu sein

mit körper und seele und lust
unser einer gemeinsamer leib

(copyright © 23.5.2017, bernd pol)