Donnerstag, 14. September 2017

perpetuum

es treibt
das raue wasser
ist nicht mehr
als überkommnes
erdenfreigeschenk

bei frischen halmen
bleicht schon altes gras
diese wiedergänger
aus dem trockenboden

irgendwo schreit ein letzter hahn

jetzt gilt es treue einzufahren
lose aufgetürmter lebensernten
lustversprechen umzubinden
in dauerhaftem wiedersein

das voll erhalten ist es
zum ganz neuen
urvertrauten eigenleben

wenn es sich in gemeinschaft traut
tag um tag neu ein altes lieben
in stille formen umzugießen

es ist ein preis
aus überlebten tagen
blicke wieder aufzufangen
um sich lächelnd einzufinden

(copyright © 14.9.2017, bernd pol)

wettertriebe

ein zauber bricht durch regenschleier
jäh hier ein freier donner loser blitz
es schreit die welt im letzten dreier
durchs menschenstürmen ohne witz

ein leben hat sich wieder ausgegoren
ein seufzen noch vorm frühen kuss
ein weichen unterm bettenbäumen
ein laut zertreiben im genuss

sind auch die regentage fortgezogen
die stürme rütteln an den türen nach
und sonnen zwängen sich durch ritzen
vom los geschlagnen lebensdach

es ist ein schein der hier die lieben weiht
das mauern ist es in vertrauten zügen
ein ausgewöhntes langversprechen
zum gänzlich umverstanden sein

wenn dann die dritten schritte treiben
aus begehren geil sich triebe knoten
zu einem wird im liebeswiderhallen
neu erwachsner alterstiefer lust

ein altes schreien hier im wettertreiben
ein ringen um ein urvertrautes schauern
ein neues wiedersein in donnerschlägen
ein zauberstürmen aus zerzausten leben

über allem noch dies stille sehnen
vertrauen dürfen in den kleinen tod
wissen dürfen unterm weiter gehen
halten dürfen auch in frischer not

(copyright © 14.09.2017, bernd pol)

Donnerstag, 7. September 2017

in eine menschenzeit

aus dem berg gekrochen
jenem ohne zeit
in dies leben
einzutreten

auch wenn die sagen verse trieben
was menschen wären menschen sind
aus vernichtung alles zeitlichen in
den zeilen aufgehoben über welten
schutzeshalb zeitweise gefroren
bis der mensch dort erwachsen sei

auf den berg gestiegen
weit über die zeit
innig die welt zu besingen

doch da waren nur feuer und rauch
fern auch stummgefallen ein schrei
ein einziger festgefroren ohne zeit
aller menschenkehlen der welt
aus liebesfremdem handeln
eigenschreckend erstarrt

den berg übertreten
jahre um jahre äonenweis
freileben zu finden

weil die menschen doch reifen
in friedlicher liebe endlich geschaffen
erstarrte schreckenszeiten
zu lösen die wunden zu pflegen und
dann neu die welt zu gestalten
in innig gemeinsamer lebensgewalt

dann ist der berg nichts
alte zeit überwunden
um ewig der welt
eigen zu sein

(copyright © 7.9.2017, bernd pol)

Mittwoch, 6. September 2017

mondenleben mit hindernissen

vielleicht solltest du voller gehen
oder nur ganz wenig angekratzt
wären da nicht widerwolken
dicht unter deinem weg

will mich auch nicht ducken
unter späten regenstreifen

wo ein schon schüttres blätterdach
keinen schirnersatz mehr geben mag

und doch lässt sich das lieben spüren
das sonst sich unter deinem licht bewegt

wenn du frei gehst vorm sternenschauern
ist es auch viel zu leicht zu leben

aber doch hier im dunkelwassergehen
brauchts den willen zu dem einen

ein herz einzufangen
irgendwo im dauerfeuchten
ganz mondenwertig aufgeschlossen
wie wenn es mit dir oben voller leben geht

(copyright © 6.9.2017, bernd pol)

Montag, 4. September 2017

sternvertrauen

es geht nicht mir
die sterne vom himmel
holen zu wollen

sie fallen von selbst
vergehen verglühen
womöglich vor ihrer zeit

und doch
wieder und wieder
dieses vertrauen mögen

auf all das was nie kommt
zur von uns doch richtig
herbei gewünschten
sternenfallzeit

(copyright © 4.9.2017, bernd pol)

Sonntag, 3. September 2017

ein kindervers

du bist mir einen kindervers
wert auf dem späten liebesgehen
nur dass du weißt es gibt uns noch
in zweien als eines beim fortgeschehen

ganz ungemein
so lieb ich dich
für dich allein
die welt für mich
ein ganzes sein
und sicherlich

ein schicksalstreiben
hin und wider
und dabei unaufgegeben

ist das leben
was uns hält
ein lieben

das aus untergründen
immer wieder neu erwächst
und das wilde ruhen weich macht

über all den dornen
unserer zeit
immer neu befragt

wo wäre ich wohl
ohne wissend zu glauben
du hast es doch im lieben gut

(copyright © 3.9.2017, bernd pol)

Mittwoch, 23. August 2017

ein großes kind vielleicht

bin vielleicht zu oft nur kind gewesen
hab kinder auch als kind mir groß gezogen
und unberechnend manche falle eingetreten
vom leben gestellt von innen gewählt

vielleicht zu oft
vielleicht ein leben lang
vielleicht zu wenig
vielleicht ein leben ungerecht

hab gelernt erwachsen sein zu spielen
manchmal ganz im ernst schicksale mit gestalten
hab mir zu viele wege zu eigen gemacht
manchmal zu tief in schlamm und fremdem schmutz

vielleicht dann doch
vielleicht zu wenig kind gewesen
vielleicht zu viel
vielleicht im eigennutz gelebt

bin aber doch im weltenbund gelandet
hab einfach liebend meinen gang getan
manchmal zu schwer im innerkindesleben
manchmal zu sicher mit zu starkem ernst

und sicher dennoch kind
und sicher groß und schwach geworden
und sicher zart wie kinder innen sind

und sicher fest und laut geliebt
ein ganzes großes kindesleben lang

(copyright © 23.8.2017, bernd pol)