Freitag, 2. Mai 2014

Frühjahrstrauerzeiten

Das ist wie im letzten Frühlingsblütentreiben,
wie im Sturm, bevor der große Regen fällt
und ungenutztes Leben über Pfützen treibt,
Abfall weit vor jedem Reifewerden.

Es wirbelt Blütenblätter wie verwehten Schnee
und leere Kelche sammeln sich rauen Haufen
und hemmen unbedachten Schritt.

Ringsum treibt viel zu früher Tod …

Gut, siehst du auf, lässt sich der Herbst schon ahnen,
doch dieses Mühen will hier manchmal nicht,
gebückt klebst du am Grund und grübelst Möglichkeiten,
die es mal gab und die verloren sind.

Wenn Menschenträume gehen vor dem ersten Reifen,
wenn vorm Erfüllen Leben abgeschnitten sind,
und alles ist so ohne Halt wie letztes Frühlingsblütentreiben,
ringsum, so viel zu früher Tod …

Es braucht das stille Traueratmen,
ein Treibenlassen durch den großen Regen,
den Sturm, der Ungeword'nes weiterfegt.

Und dann, vielleicht,
hebt sich der Blick
ins Grün und träumt erneut
vom Reifen in den Herbst.

(Copyright © 2. Mai 2014, Bernd Pol)

Kommentare:

  1. das ist absolut wundervoll und sehr, sehr tröstend!

    alles liebe dir,
    isabella

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  2. jedes mal, wenn ich dieses gedicht lese, wirkt es intensiver.
    ganz und gar tiefgehende, traurige, aber auch tröstende zeilen -
    wunderbar!!

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